Journal

Superrad! über den Schwarzwald Super!

Unsere Freunde von Superrad! aus Freiburg schreiben über ihren ersten veranstalteten Radmarathon. Wir haben euch im Vorfeld über das Event informiert und freuen uns nun einen Erfahrungsbericht nachreichen zu können. Vielen Dank an Johannes für die schönen Worte zum Schwarzwald Super. Nächstes Jahr sind wir dann bestimmt auch dabei!

Ist Kartoffelsalat schlecht beim Radfahren? Ein Erfahrungsbericht zur Organisation des Schwarzwald Super! 2014

Welches sind die Kriterien, um den Erfolg einer Veranstaltung zu benennen? Dass man die sich selber gesteckten Ziele erreicht hat? Dass die Veranstaltung finanziell positiv verlaufen ist? Dass man selber Spaß hatte und andere auch? Muss man für eine Bilanz den äußeren Bezugsrahmen mit einbeziehen oder gibt es eine absolute Betrachtungsweise?
Bei unserem perspektivischen Ziel, den Schwarzwald Super! zu einem der großen europäischen Radmarathons zu entwickeln, sind die dann doch nur 30 Teilnehmer, die sich Sonntag früh um 5 Uhr in Freiburg einfinden, etwas enttäuschend. Es mag an dem verregneten Sommer gelegen haben, dass sich viele nicht trainiert genug fühlen. Fehlende Erfahrungsberichte im Internet (wie auch anders möglich bei einer ersten Austragung) mögen manch Zweifler ob der Güte der Veranstaltung davon abgehalten haben, teilzunehmen. Unglückliche Terminkollisionen mit anderen Veranstaltungen waren sicher auch ein Grund. Und selbstverständlich auch unsere bescheidene PR-Arbeit.

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Egal. Unser Anspruch ist es, jedem der TeilnehmerInnen den perfekten Rahmen für eine unvergessliche Tour zu bieten. Wir, das sind die zwei Organisatoren, die seit gut einem Jahr um Freiburg herum Rennradtouren organisieren, wie wir sie selber gerne erleben wollen. Und unsere 13 freundlichen Helfer, die an der Strecke stehen, um die üppigen Verpflegungsbuffets zu bedienen. Sie erhielten viel Lob, zurecht. Das Gespür für die Bedürfnisse der Radfahrer zu haben ist wichtig. Und bei einer heterogenen Zusammensetzung des Feldes nicht immer leicht.

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Der Tag beginnt mit dichtem Nebel. Unsere Sorgen sind selbstverständlich, ob es auf den Bergen, wo sich nahezu alle Stationen befinden, nicht zu kalt sein wird. Ob es die laut Wetterbericht möglichen Regenschauer geben wird. Alles in der Hoffnung, dass alle TeilnehmerInnen heil ankommen werden. Unsere Helfer an der ersten Station haben mitgedacht und viele Wolldecken mitgebracht, die dankbar angenommen werden. Wie als ein Zeichen kommt die Sonne durch ein kleines Wolkenloch zum Vorschein. Pünktlich zum Sonnenaufgang. Nach einigen weiteren wolkenverhangenen Stunden, die die Gipfel des Schwarzwaldes in einen mystischen Rahmen setzen, klart es langsam auf, es wird wärmer und jeder, der zu Ende der Tour auf dem höchsten Berg der Runde, dem Belchengipfel steht, fühlt die perfekte Einheit. Das Glücksgefühl, innerhalb der eigenen Erschöpfung, es so gut wie geschafft zu haben, mit einem unvergleichlichen Panoramablick, gewärmt von der spätnachmittäglichen Sonne. Die letzten brechen im Abendlicht auf, um wieder in die Dunkelheit hineinzuradeln, aus der sie morgens aufgebrochen sind. Viele von ihnen bleiben noch länger im Ziel sitzen, um mit uns zu essen, Wein zu trinken und sich über ihre erbrachte Leistung zu freuen: „Das war so unvernünftig. Aber so geil!“

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Aber was genau ist denn nun der Schwarzwald Super!? Und warum braucht es noch einen weiteren Radmarathon? Für wen kommt er denn in Frage? Und kommen unsere eigenen Vorstellungen, den Teilnehmern bei aller sportlichen Höchstleistung auch noch Genußelemente anzubieten (regionales Essen, Wein, Verzicht auf ein Rennen mit Zeitnahme und Siegern), bei diesen auch an?
Die euphorischen Reaktionen auf Strecke, Verpflegung und Atmosphäre lassen all unsere Zweifel schnell vergessen. Der Tadel beschränkt sich auf die, zugegebenermaßen, nicht optimale Ausschilderung und den Kartoffelsalat, der wohl nicht so geeignet sei zum Radfahren. Die meisten hoffen auf eine weitere Austragung im nächsten Jahr (der vorläufige Termin ist der 13. September 2015). Und das trotz oder wegen des höchst anspruchsvollen Kurses.
Der Grundgedanke ist, möglichst alle hohen Berge und Pässe des Hochschwarzwaldes an einem Tag zu fahren. Entweder bergauf oder bergab. Langweilige Flachpassagen vermeiden. Dafür oft das Glücksgefühl erleben, ober angekommen zu sein. Die Topographie des Schwarzwaldes legt solch eine Streckenführung nahe und auf 250 km Distanz auf der längsten Route sammeln sich 6000 hm. Zwei kürzere Strecken werden auch angeboten, beide ebenfalls schön und anspruchsvoll. Und doch entscheiden sich noch unterwegs mehrere Teilnehmer, anders als geplant, die volle Distanz zu fahren. Sie bereuen es nicht. Und etliche unserer Helfer fassen bei den Begegnungen an den Stationen den Entschluss, sich nächstes Jahr selber auf das Rad zu setzen.

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Natürlich gehört bei solch einer Veranstaltung auch jede Menge Glück dazu. Jede noch so gute Vorbereitung kann schnell obsolet werden, wenn das Wetter nicht mitspielt. Oder bei schweren Unfällen. Wenn es zu viele Pannen gibt und die Stimmung kippt. Dass alles so reibungslos verläuft ist keine Selbstverständlichkeit und spornt an, in Zukunft noch konsequenter zu arbeiten. Denn der erste Schwarzwald Super! soll nur der kleine, schöne Anfang einer langen Erfolgsgeschichte sein. Ideen, wie er noch verbessert werden kann, haben wir genug.

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