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Summer-Adventures Part II: Sarahs #stuttgartpamplonafixed Challenge

Text und Fotos von Sarah Schnuck


1432,5 gefahrene Kilometer. 11.000 Höhenmeter. 14 Etappen. 66,5 Stunden im Sattel. Ein
Gang. Ein Mädchen.
Das war Stuttgart Pamplona fixed.
Die häufigsten Fragen, die mir dazu gestellt wurden, waren:
Warum Pamplona? Warum fixed? Warum allein?
Meine Lieblingsantwort: Weil ich es kann. #icanandiwillendofstory


Warum Pamplona? Barcelona kennt jeder. „Einmal in Pamplona mit den Stieren um die Wette rennen.“ war eins von Kate Tanners Lebenszielen. Wer mich kennt, weiß, ich steh auf Alf. Es gibt schlechtere Gründe für ein Ziel.

Warum fixed? Alles fing mit „FXD an den Bdns für 1 Spdrdchn“ an: der Sommerausfahrt von Heaven & Hell Cycle Club aus Stuttgart. Als das im Kalender auftauchte, wollte ich unbedingt teilnehmen und fing an, täglich insgesamt 40 km fixed hin und zurück zur Arbeit zu pendeln. Fixed fahren ist eine ganz eigene, ziemlich gute Art Rad zufahren. Wer fixed fährt, weiß, wovon ich spreche. Wers nicht tut, weiß es erst, wenn er mal mehr als 50 km fährt.

Warum alleine? Weil ich mich prüfen wollte. Ich wollte mich selbst in unbequeme Situationen bringen und mich zwingen, alleine Wege da rauszufinden. Ich wollte wissen, ob ich es alleine schaffen kann.

Bikepacken hat mich schon länger gereizt. Umso mehr seit Saddle- und Framebags populär wurden und das Ganze gepäckträgerfrei möglich war. Dieses Jahr hat sich viel in meinem Leben geändert. Ich wollte raus aus der allseits beschimpften Komfortzone und ein Abenteuer. Es war an der Zeit, diesen Traum zu leben. Ich beschloss, meinen alten Job früher zu kündigen und drei Wochen zu verschwinden. Allein. Ohne mich nach jemandem richten zu müssen. Denn #doitnowsometimeslaterbecomesnever.

Bei der Bodenseeausfahrt lernte ich Hanna kennen. Die Frau hat mich mit ihrem Wesen umgehauen. Es ist selten, dass man jemanden kennenlernt und weiß, dass es gut ist. Hanna hatte die Idee, mich die ersten beiden Etappen zu begleiten. Es war unglaublich. Der Abschied am dritten Tag fiel uns unheimlich schwer, und Hanna ist so #hart. Jeden einzelnen Tag meiner Tour ist sie weiterhin Fixie gefahren, um mit mir zu fahren. #mitdiawillitrabba

Als ich diese Fahrt geplant habe, hatte ich keine Ahnung, ob ich überhaupt in der Lage bin, sowas zu fahren. Ich hab einfach geplant. 14 Etappen ohne Ruhetag. Was soll schon passieren? Ich hab doch den ganzen Tag Zeit und nichts zu tun außer dem, was ich liebe. Fahrrad fahren. Ich dachte, sollte ich nicht mehr können, kann ich ja den Zug nehmen. (Ich war so naiv. In Frankreich und Spanien ist das Bahnnetz längst nicht so gut ausgebaut wie in Deutschland. Zumindest, wenn man ein Rad mitnehmen möchte.) Am Tag 10 war ich am Ende und bin 100 km mit dem Zug fahren. Das hat so gut getan, dass ich nach einem Ruhetag wieder durchstarten konnte. Es war so ein unglaubliches Gefühl zu erkennen, was ich schaffen kann. Ich bin stolz.

Dieses Abenteuer war eine einzige große Prüfung. Oft war ich verzweifelt, aber ich hatte immer Menschen, die mir nahe waren und mich unterstützt haben. So zum Beispiel Björn, ohne den ich die Regentage wahrscheinlich noch schlimmer erlebt hätte. Er hat mir die Wettersituation im Detail geschildert und hilfreiche Tips gegeben. Oder meine Schwester, die mir ordentlich den Kopf gewaschen hat, nachdem ich mir eine Woche über ein privates Problem den Kopf zerbrochen habe. Sie hat mich dazu gebracht, mich davon zu lösen und meine Reise endlich voll zu genießen. Aber auch sehr viel Support über Socialmedia. Teilweise von Menschen, die ich gar nicht kenne. Es hat mich erstaunt und gefreut, wie sie meine Reise beobachten und natürlich auch manches Mal gepusht weiter zumachen.
Auch unterwegs habe ich viele tolle Menschen kennen gelernt, wie Peter und Dan, die mich in der französischen Pampa am ersten Samstag bewirtet haben. Es war ein unglaublich schöner Abend mit langen Gesprächen und viel Wein. Oder die Familie, die das Kobahostel in meinem Urlaubsziel San Sebastián betreibt, und natürlich all die anderen Reisenden, die ich in meiner Woche dort kennen gelernt habe.

14 von komoot geplante Routen. Darin enthalten: Vier gesperrte Straßen, etliche Schnellstraßen, aber auch wunderschöne Routen durch Weinberge, einsame Wälder, Küstenstraßen. Vier Etappen im Regen. Etappe 1 und 2 mit Hanna bei bis zu 36 Grad. In Etappe 3 fing 14 km vorm Ziel strömender Regen an. An Tag 4 habe ich drei Stunden gewartet, dass es aufhört zu regnen und saß trotzdem nach 5 km pitschnass in der Bushaltestelle. Etappe 6 führte mich 15 verfluchte Kilometer über eine Kraftfahrstraße ohne Ausweg. Vor Etappe 8 war ich so unglaublich nervös, da ich schon ziemlich vorbelastet war und sie mit 120 km und 1.500 HM einer der anspruchsvollsten war. Etappe 11 führte mich in die schöne Stadt Bordeaux. Etappe 12 war mit 173 km die längste Etappe, die mich mit einem unglaublichen Abend am Ozean belohnt hat. Um die letzte Etappe fahren zu können, musste ich drei Tage in San Sebastián auf besseres Wetter warten. Das war so enervierend, dass  ich es fast nicht gefahren wäre. Aber es war eine der traumhaftesten Strecken, trotz 1500 HM, und hat sich vollends gelohnt. Die Herausforderung bestand jeden Tag darin, das Ziel zu erreichen, da alle Unterkünfte vorgebucht waren. Aber ich hatte glücklicherweise nicht einen Platten, keinen Sturz und auch kein anderes Problem am Rad. #stuttgartpamplonafixed un-f*cking-glaublich


Stuttgart – 155 km – Strasbourg – 124 km – Magstatt-le-Bas – 139 km – Besançon – 81 km – Dijon – 149 km – Saint-Yan – 90 km – Tronget – 69 km – Évaux-les-Bains – 119 km – Linards – 72 km – Ussac – Ruhetag (32 km) – Saint-Géry – 82 km – Bordeaux – 173 km – Capbreton – 71 km – San Sebastián – 99 km – Pamplona


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