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Tales from the Atlas Mountain Race

Einige Tage sind vergangen seit die Instagram- und Facebook-Feeds voll von Fotos und Stories von der ersten Austragung des Atlas Mountain Races waren. In der Zwischenzeit hatten auch die Fahrer die Möglichkeit die Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten und das Rennen nochmals Revue passieren zu lassen. Jetzt war es an der Zeit das wir die Jungs des Team Laugenweggle :) dazu nochmal befragt haben. Jost, Marc und Alex standen uns Rede und Antwort und schildern die schönsten, schlimmsten Momente und blicken in die Zukunft. Danke Jungs!

Alex
Dein schönster Moment:

Den einen schönen Moment gab es für mich nicht direkt. Zum Glück waren es einige schöne Momente immer wieder zwischendurch. Definitiv eines der Highlights für mich waren die Sonnenaufgänge nachdem wir bereits morgens schon zwei Stunden durch die Dunkelheit gefahren sind. Das Farbenspiel auf den Gesteinsformationen, die krassen Kontraste und klaren Lichtverhältnisse haben mich immer wieder beeindruckt. Dazu kamen immer wieder Kleinigkeiten, die mich glücklich gemacht haben. Die Micropuff Jacke anziehen, wenn die Kälte aufzog und sich dann wie in einer Wohnung fühlen oder der Geschmack der marokkanischen Hawaii Limonade nachdem man den ganzen Tag nur Wasser mit Kohlenhydratpulver getrunken hat.

Dein schlimmster Moment:

Am dritten Tag zündete einfach keine Nahrung, die ich mir zuführte. Erst schleppte ich mich durch die Morgenstunden. Unser Nutella Fladenbrot Frühstücks Ritual um halb zehn sorgte nur kurzzeitig für Linderung, um mich dann ins zweite Tief zu stürzen. Ein Tal mit einem nicht enden wollenden Anstieg tat sein Übriges dazu. Aber die Kurbeln drehten sich dennoch und Checkpoint 2 kam irgendwie dichter und dichter und damit auch das Leben wieder zurück in den Körper. Auch die letzten 60 km des Rennens waren apokalyptisch – aber der Wille war zum Glück immer stärker!

Das würde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall anders machen:

Wenn es wieder das Atlas Mountain Race wäre, dann würde ich ein MTB fahren oder Suspension Lösungen für das Gravelbike finden. Auch eine kleinere Übersetzung würde definitiv kein Fehler sein. Danke Marc, dass Du mich überzeugt hast noch auf 38-42 zu wechseln 😉. Auch würde ich mich intensiver mit meinem Equipment in der Praxis auseinandersetzen. Das war Aufgrund der Jahreszeit und meinem Zeitbudget aber kaum möglich.

Deine wichtigste Erfahrung:

Nach jedem Tal, dass du durchschreitest geht es wieder bergauf. Solange du deine innere Flamme am Lodern hältst geht es vorwärts. Ich bin in meinem Leben (trotz meiner Rennsport Vergangenheit) nie länger als maximal 7,5 Stunden am Stück auf dem Rad gesessen. Den Körper 27 Stunden am Stück am Laufen halten zu können (letzte Etappe) war für mich eine neue Erfahrung und es war einfach krass zu sehen was mein Körper leisten kann. Unterm Strich ist das Wichtigste sich immer gut bei Laune zu halten und so trivial es klingt positiv zu denken. In dem Punkt war ich mehr als froh mit Marc den perfekten Teampartner an meiner Seite gehabt zu haben.


Marc
Dein schönster Moment:

Den gibt es nicht. Zu viele, um es nur auf einen zu reduzieren. Jeden Morgen in den Sonnenaufgang fahren, den ersten Bissen Frühstück in der warmen Sonne genießen oder der Sonnenuntergang. Wenn die Sonne den Himmel glühen lässt. Wahnsinn. Oder auch der Moment wenn gar nichts mehr geht und die Kids am Straßenrand alé alé alé schreien und es dir den nötigen Motivationspunch gibt um die nächsten 8 Stunden zu kneten.

Dein schlimmster Moment:

Kurz vorm zu Bett gehen an Tag 2. Nach gefühlt unendlicher Schalterei der letzten zwei Tage und stundenlangem Schieben die Ungewissheit im Nacken sitzen zu haben ob der Di2 Akku die nächsten Tage hält! Die Sorge nicht im Ziel anzukommen weil der Akku versagt wäre für mich das Schlimmste gewesen. Dieser Gedanke hat mich 4 Stunden so stark beschäftigt dass ich mich in einer Abwärtsspirale der Gefühle befand. Am nächsten Morgen konnte ich aber mit geladenem Smartphone den Akkuzustand checken und feststellen dass dieser noch voll war! Motivationslevel von da an: super high!

Das würde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall anders machen:

Also wenn ich nochmal ein Bikepacking-Race mitfahren würde, dann würde ich definitiv auf Positionierung fahren. Aufgrund der kurzen vorgegebenen Zeit hat man keine Chance das Ding zu genießen. Aus diesem Grund ist man eh in Eile und warum dann nicht gleich auf Platzierung fahren. Technisch würde ich für so ein Terrain auf jeden Fall eine Federung verwenden und kleinere Gänge. Mit vorne 38 und hinten 42 waren wir konstant im Knetmodus. All day long.

Deine wichtigste Erfahrung:

Der Körper kann noch viel länger als der Geist. Nach 27 Stunden ohne Schlaf und nonstopp-Fahrerei war die Birne matsch aber der Körper noch voll intakt. Ich glaube sogar der hätte nochmal 10 Stunden geschafft.


Jost
Dein schönster Moment:

Ich glaub der war am letzten Tag morgens so gegen 7 Uhr etwa eine Stunde vor Tafraoute. Nachdem ich zwei Stunden durch die Nacht gesurft war und die Energiereserven von dem Müsli mit Wasser langsam aufgebraucht waren, ging die Sonne auf und teilte das Gebirge vor mir in zwei Hälften. Eine in der Sonne und eine im Schatten. Ich hatte noch meine Daunenjacke an und mir war kalt, obwohl ich die Sonne schon im Rücken hatte. Der Moment war so schön, ich musste anhalten und ihn 10 Sekunden kurz genießen. Wahnsinn.

Dein schlimmster Moment:

Schlimme Momente gab es keine. Mein Rad und ich sind bis auf zwei Löcher im Reifen – war ein bisschen übermütig auf den Abfahrten ;) – super durchgekommen. Ich glaub bei so einem Rennen muss man einfach auch so gut vorbereitet sein, und das war ich, dass die Wahrscheinlichkeit extrem gering ist, dass solche Momente entstehen.
Ich hatte einen Moment abends, wo ich meine Renn-Strategie geändert habe. Bis dahin hatte ich sehr wenig (4 Stunden jeweils) geschlafen. Ich habe gemerkt, dass so weit vorne im Feld bis auf wenige Worte eigentlich auch keine vernünftige Konversation mit anderen Fahrern mehr möglich ist, weil man sich massiv auf sich selbst konzentrieren muss, um bei den wenigen Pausen, die man macht nichts zu vergessen. Wenn du losfährst und du hast vergessen dein GPS zu laden oder dein Wasser aufzufüllen und zurück musst, ist das sehr ärgerlich und kostet viel Zeit und noch mehr Nerven. Außerdem waren die Tage nur sehr kurz und in der Nacht hat man nichts gesehen außer den Lichtkegel der eigenen Lampe. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich da noch einmal hinkomme ist angesichts der vielen Orte, die ich noch sehen will, sehr gering und deshalb habe ich mich entschieden, länger zu schlafen und in Kauf zu nehmen im Ranking weiter nach hinten zu rutschen. Der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass mir dieses „Sich-selbst-quälen“ keinen Spaß macht und ich lieber die Landschaft genießen will, der hat mich viel Energie gekostet und war nicht leicht zu bewältigen. Vor allem wenn man voll im Modus ist und die Uhr tickt.

Das würde ich beim nächsten Mal auf jeden Fall anders machen:

Eine Federgabel montieren ;)
Ich war zwar den Winter über viel im Kraftraum und hab die Schläge gut wegstecken können, aber es hat trotzdem viel Zeit gekostet und ich konnte es auf technischen, gerölligen Abschnitten nie krachen lassen. Das hätte mich insgesamt zwar noch mal Gewicht gekostet, aber die zusätzliche Geschwindigkeit in den Abfahrten wäre es wert gewesen.

Deine wichtigste Erfahrung:

Die gute Vorbereitung hat sich ausgezahlt. Aber im Rennen selbst läuft es wie von alleine und man ist in einer anderen Welt. Die Aufregung vorm Start ist nur kurz und schnell weg. Irgendwann wirst du eins mit der Natur und du bewegst dich darin wie ein Fisch im Wasser. Radfahren ist einfach das beste, was es gibt. Es bringt dich überall hin und du kannst mit deinem Rad fast überall hinfahren. Thank you cycling!

Beitragsfoto: Nils Laengner